Handbuch für progressive Kommunikation

Checkliste zur Fehlervermeidung

Für wen ist diese Checkliste?

Personen und Organisationen, die für progressive Forderungen und Lösungen Mehrheiten suchen. Diese Checkliste richtet sich nicht an Personen und Organisationen, die auf Themen aufmerksam machen ohne politische Ziele zu verfolgen.

Wofür könnt ihr diese Checkliste nutzen?

Zur Analyse eurer bestehenden Kommunikation und zur Entwicklung neuer Kommunikation für euer Vorhaben, darunter Branding und Kampagnen.

Anti-Haltung
Es wird hauptsächlich kommuniziert wogegen man ist.

Warum ist das ein Problem?

Wenn keine Alternative zum Status Quo angeboten wird, gibt es wenig Anreiz eine Veränderung zu unterstützen. Bietet deshalb alternative Lösungen an und lasst Protest, Empörung und Kritik in den Hintergrund rücken.

Verborgenes Ziel oder Maximalforderung
Das Ziel muss erst erklärt oder relativiert werden.

Warum ist das ein Problem?

Ihr habt häufig nur wenige Minuten um Menschen mit eurem Vorhaben anzusprechen. Wenn ihr euer Ziel nicht direkt und konkret benennet, vergeudet ihr die Chance potentielle Unterstützer:innen zu gewinnen und habt zusätzlichen Erklär- und Überzeugungsaufwand.

Konservative Sprache
Konservative Narrative, Begriffe und Metaphern werden wiederholt und verneint.

Warum ist das ein Problem?

Die Wiederholung und Verneinung von konservativen Narrativen und Begriffen stärkt konservatives Denken und begünstigt infolge konservative Politik. Geht in Debatten nicht auf die Narrative der Gegenseite ein, sondern haltet konsequent an euren progressiven Narrativen fest.

Fakten ohne Werte
Fakten werden ohne politische Einordnung vermittelt.

Warum ist das ein Problem?

Die Kognitionsforschung zeigt: Fakten haben keinen überzeugenden Effekt so lange sie kein bereits vorhandenes Konzept im Gehirn aktivieren. Deshalb sollten Fakten nicht alleine und losgelöst verwendet werden, sondern progressive Narrative und Ideen stützen.

Verbote und Verzicht
Die Verschlechterung der aktuellen Lebenssituation steht im Fokus und wird verharmlost.

Warum ist das ein Problem?

Verbote und Verzicht sind grundsätzlich negativ und lassen sich kommunikativ nicht beschönigen. Gebt deshalb der Verbots- und Verzichtsdebatte keinen Raum sondern zeigt auf, wie sich das Leben der Menschen verbessert, wenn eure Vision Wirklichkeit wird.

Schuldzuweisung an Einzelpersonen
Verhalten und Konsum von Einzelpersonen wird kritisiert, obwohl die Ursache im System liegt.

Warum ist das ein Problem?

Niemand hat Lust zuzuhören geschweige denn ein Vorhaben zu unterstützen wenn sie oder er persönlich angegriffen oder beschuldigt wird. Konsum- und Verhaltenskritik gewinnt keine Mehrheiten, stärkt die konservative Perspektive und lässt Fehler im System unaddressiert. Wenn ihr kritisiert, fokussiert euch auf Machtstrukturen, ausbeuterische Konzerne und konservative Politik. Es ist aber immer besser eure Ziele und Lösungen zu kommunizieren.

Moralisierung und Polarisierung
Die eigene Moralvorstellung wird als überlegen dargestellt.

Warum ist das ein Problem?

Sich selbst als besser darzustellen verhindert auf der Gegenseite jegliche Offenheit. Dadurch wird die Chance auf Überzeugung von Beginn an aufgegeben. Um Mehrheiten für progressive Vorhaben zu gewinnen, braucht es Kommunikation die auf Empathie, Zusammenhalt und Solidarität abzielt.